Gerald Hörhan – Investmentpunk im Interview

Gerald Hörhan Investmentpunk im InterviewLieber Gerald, Du bist ein geschätzter Freund und erfolgreicher Geschäftsmann. Die heutige Generation, zu der ich mich zähle, hat mit immer größeren Problemen zu kämpfen. Einerseits steigt der Leistungsdruck, andererseits weiß man nicht wohin, nachdem man sein erstes Geld als Berufsanfänger verdient.

Was würdest Du mit 100€ machen, die Du monatlich sparen legen könntest?

Mit Euro 100 pro Monat kannst Du leider noch nicht viel anfangen, das ist zu wenig Geld, um zu diversifizieren, und die Transaktionskosten fressen Dich auf. Du kannst mit dem richtigen Investieren beginnen, wenn Du monatlich 1000 Euro verfügbar hast oder ein Kapital von 30.000 bis 40.000 Euro. Wenn Du nur Euro 100 pro Monat hast, investiere es in Ausbildung. Wenn Du zu wenig Geld hast, musst DU es verdienen. Das geht entweder durch beinharte Arbeit oder durch Geschick, z.B. durch die Beteiligung an einem Unternehmen, durch Provisionserträge, durch Vertrieb, Online Geschäftsmodelle etc. Wenn Du wirklich Kohle haben willst, gibt es auch Möglichkeiten Kohle zu verdienen. Nur geht das nicht mit einer 35 Stunden Woche, 6 Wochen Urlaub und regelmäßige Burnouts.

Kommen für Dich passiv gemanagte Fonds in Frage? Sprich globale ETFs?

Auf jeden Fall. Ich investiere in ETFs. ETFs haben eine ähnliche, teilweise sogar bessere Performance als aktiv gemanagte Fonds, und die Gebühren (Ausgabeaufschläge, Managementgebühren) sind erheblich geringer. Gibt es heutzutage noch sichere Anlagen?
Es gibt keine absolut sicheren Anlagen. Selbst wenn man das Geld auf der Bank liegen hat, kann die Bank pleite gehen, das Vermögen besteuert werden und die Inflation das Vermögen auffressen. Wichtig ist ein gutes Verständnis für Risiko und eine gewisse Streuung des Vermögens, um ein gewisses Maß an Sicherheit in allen Situationen zu haben.

Würdest Du diversifizieren in deinen Kapitalanlagen? Immobilien, Aktien, Anleihen?

Diversifikation ist wichtig, um das Risiko zu reduzieren; wer alles auf eine Karte setzt, kann schnell ohne Geld dastehen. Allerdings hat Diversifikation auch ihre Grenzen, denn eine Person wird nicht in 10 verschiedenen Anlageklassen Experte sein können. Ebenso sollte man Kapitalanlagen weiter sehen als Aktien, Anleihen, Fonds und Immobilien. Auch Unternehmensbeteiligungen, Patente, Oldtimer, Modelleisenbahnen, Uhren und Fotos können, entsprechendes Know how vorausgesetzt, sehr lohnende Investments sein.

Spielt die Mentalität einen entscheidenden Faktor, ob man an der Börse erfolgreich ist oder nicht?

Die Mentalität ist ein absolut entscheidender Faktor, um als Investor, egal in welchem Bereich, erfolgreich zu sein. Wer aus Emotionen heraus Entscheidungen trifft, wer keine Disziplin hat, wird auch keinen Erfolg haben. Ein guter Investor benötigt ein skalierbares, emotionslos bedienbares System. Investieren ist langfristiger, disziplinierter Vermögensaufbau, der „langweilig“ aussieht. Zocken kann man im Casino, leider sind die meisten Leute keine Investoren, sondern „Zocker“, die auf das schnelle Geld hoffen und oft alles verlieren.

Wie wird man langfristig erfolgreich und häuft Vermögen an?

Indem man ordentlich Geld verdient, nicht alles ausgibt und dass das Kapital regelmäßig investiert. Dazu braucht man ein gutes System, entsprechendes Know how und Geduld. Ebenso wichtig ist ein gutes Verständnis für Risiken, die meisten erfolgreichen Investoren scheuen hohe oder tödliche Risiken. Am meisten Geld kann man in Märkten verdienen, die ineffizient sind, wie z.B. Unternehmensbeteiligungen. Die großen Vermögen werden durch unternehmerische Aktivität und Immobilien geschaffen. Und das Timing ist ebenfalls sehr wichtig; wer zu teuer einkauft, baut selten ein Vermögen auf.

Würdest Du die derzeitigen Abverkäufe nutzen, um an der Börse aktiv zu werden ?

In einzelnen Marktsegmenten, die geprügelt wurden, kann das Sinn machen. Allerdings würde ich nicht alles auf einmal investieren, sondern Schritt für Schritt in monatlichen Ansparplänen. Das reduziert das Risiko.

Vielen Dank für das Interview.